Krimi Tage – Unsere Krimis – ein Labsal für die Nerven

Unsere Krimis – ein Labsal für die

Wie nah sind uns mordsmäßige Handlungen schon gekommen?

Verändert sich der Krimi, wenn Waffen und schwere Gewaltdelikte stärker in unsere Lebenswelt rücken?

kriminalistischer Spürhund

Der Freund des Thrillers würde sagen: „Das Grauen kommt näher.“ Der feinsinnige, kriminalistische Spürhund hätte vielleicht den Kommentar parat: „Die Psychologie der Täter wird uns normalen Leuten immer ähnlicher, oder umgekehrt.“ Der stille Beobachter könnte die Frage folgendermaßen beantworten: „Die Hauptpersonen der kriminellen Handlung im Krimi sind erlebbar geworden.“

Diese Aussagen könnten eine wunderbar belebte Diskussion anzetteln. Populistische Ansätze über veränderte gesellschaftliche Inhalte und Wertewandel stünden der medialen Informationsgesellschaft gegenüber, in der jedes halbwegs zu vermarktendes Ereignis in eine Nachricht gepackt wird. Und es könnte thematisiert werden, ob sich durch die Präsenz von Waffen unser Verhalten in der Öffentlichkeit verändert.

Stellen wir uns eine Frau vor. Sie ist sehr spät abends im Zug unterwegs und hat eine zweistündige Fahrt im Regionalexpress vor sich – zwischen zwei bayerischen Kleinstädten. Man kann sich also vorstellen, wie einsam dieser Zug durch die Nacht rollt; zunächst befindet sich außer ihr kein weiterer Fahrgast im Waggon. Als ein junger Erwachsener – oder ein alter Jugendlicher – einsteigt und den Wagen mit ihr teilt, spürt sie das erste mal in ihrem Leben die aufkeimende Angst, von einer Waffe bedroht oder gar erschossen zu werden!

Sie fragt sich, was sie schlimmer finden soll: dass inzwischen fast wöchentlich Tote durch Schussverletzungen im privaten Bereich oder im öffentlichen Raum durch die Medien geistern oder dass sie Angst vor einem fremden Menschen hat, nur weil er vom Alter her vielleicht in die aktuelle Statistik der Amokläufer passt und eine Jogginghose trägt! Von dem schlechten Gewissen dem Fremden gegenüber ganz zu schweigen, denn ganz sicher hat sie ihm mit ihrer latenten Unterstellung Unrecht getan.

Und was, wenn sie gerade einen Krimi gelesen hätte? Oder wieder einmal einen lesen möchte? Vielleicht „Die Tote aus dem Regionalexpress“ oder „Der Schuss kam aus der 1. Klasse“. Wird es noch Unterhaltung sein oder schon Auseinandersetzung mit Wertewandel und Verschärfung der Waffengesetze.

Wird mit der Zunahme der Gewaltverbrechen vor unserer Haustüre der Krimi bald zum no-go, weil bald jeder irgendwen in seinem Bekanntenkreis hat … der jemanden kennt … der von jemandem gehört hat… aus dessen Familie jemand erschossen wurde? Was für ein Horrorszenario. Und was für eine Spaßverderberei!

Vielleicht sollten wir unser Krimivergnügen vom „Mordsspaß“ auf andere Bereiche kriminalistischer Vielfalt verlegen. Wie wäre es mit einer literarischen Aufarbeitung der Steuerhinterzieherfälle oder einem neuen Trend hin zum Stammzellen-Schmuggel-Krimi. Sicher finden sich in der Wirtschaftskriminalität Themen ohne Ende, die nicht weniger spannend sind. Was denken Sie?

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